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Kastration der Hündin

Kastration PRO und CONTRA

  • Pro
    Vorbeugung gegen Gesäugetumore, Gebärmutterentzündung,
  • Scheinschwangerschaft,
  • Stimmungsschwankungen, Unfruchtbarkeit
  • Contra
    Harninkontinenz, Gewichtszunahme
      



Aber ist das nicht wider die Natur?

Die Natur hat für die Urahnen unserer Hunde, die Wölfe und auch die wildlebenden Hunde in erster Linie die Arterhaltung vorgesehen. Hierfür ist es nötig, eine maximale Anzahl von Jungtieren zu "produzieren". Für die erwachsene Hündin hat die Natur also als Haupt-Lebensziel die Reproduktion vorgesehen. Das Erreichen eines hohen Lebensalters ist für die Erhaltung der Art hingegen nicht von Bedeutung. In der freien Natur beträgt das maximale Lebensalter von Hunden und Wölfen 6-8 Jahre, selten bis zu 10 Jahren. 

Tierschutzgesetz

Verschiedentlich wird behauptet, "die Kastration wäre laut Tierschutzgesetz verboten". Dem ist selbstverständlich nicht so. Entscheidend ist der Passus §6  Abs. 1 a) der klar formuliert, dass das Verbot der "Amputation" nicht gilt, sofern eine medizinische Indikation vorliegt. 

Die Vorbeugung gegen maligne Mammatumore ist nicht nur unserer Einschätzung nach eine nicht zu diskutierende "tierärztliche Indikation". 

Sollte man eine Hündin kastrieren?

Der normale hormonelle Zyklus der Hündin dient dazu, die Fortpflanzung zu gewährleisten. In den meisten Fällen, beabsichtigen die Besitzer von Hündinnnen aber nicht, ihr Tier in die Zucht zu nehmen, sodass sich die Frage stellt, on man den Läufigkeitszyklus abstellen und eine unerwünschte Trächtigkeit vermeiden kann.

Die Sexualhormone, die den Zyklus steuern werden in den Eierstöcken produziert, sodass man diese entfernt, um den Zyklus abzustellen.

Die Hormone Östrogen und Progesteron sind neben der Zyklussteuerung auch für die Entwicklung verschiedener Erkrankungen verantwortlich, sodass bei fehelnden Sexualhormonen schwerwiegende lebensbedrohliche Krankheiten wie Gebärmutterentzündung, progesteronabhängiger Diabetes, vor allem aber bösartige Gesäugetumore nicht auftreten können.

Welche Argumente sprechen für die Kastration?

Pro?

Höhere Lebenswerwartung: Großangelegte wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass kastrierte Hunde eine deutlich höhere Lebenserwartung haben als nicht kastrierte. 

Geringeres Stresslevel: Besonders Hündinnen, die durch ihre Hormone oder aufdringliche Rüden sehr gestresst sind, können von der Kastration profitieren In Stadtgebieten oder gemischten Rudeln ein mitunter relevanter Faktor. Auch die einen Teil der Hündinnen belastende Scheinträchtigkeit bedeutet mitunter deutlichen Streß. 

Keine Gebärmuttervereiterung: Eine häufige Erkrankung intakter Hündinnen, die bei zu später Behandlung lebensbedrohlich ist, die jedoch nach Entferung der Eierstöcke nicht auftreten kann. 

Keine Gesäugetumore:  Gesäugetumore treten bei einem Großteil der intakten Hündinnen etwa ab einem Alter von 7 Jahren auf. Sie sind häufig bösartig, ziehen Matastasen nach sich und sind manchmal nur schwer und mit großem Aufwand zu behandeln.

Die malignen Mammatumore sind aus unserer Sicht das Hauptargument PRO Kastration, da erkrankte Hündinnen große Operationen, teilweise mit Entfernung beider Gesäugeleisten plus Kastration über sich ergehen lassen müssen, lebenslange Dauerpatientinnen bleiben und nicht selten eine wesentlich verkürzte Lebenserwartung haben. 

 

 

Contra?

Welche Argumente gibt es gegen die Kastration?

An erster Stelle ist die hormonangängige Blaseninkontinenz zu nennen, die bei hierfür prädisponierten Hündinnen im Alter oder gelegentlich auch schon früh nach der Kastration auftreten kann. 

Ein hohes Risiko weisen Hündinnen bestimmter Rassen auf (Labrador, Pudel), deren Blase sehr  weit im Becken liegt. Daher empfehlen wir bei diesen Hunden vorab eine Ultraschalluntersuchung der Blase um das Risiko einschätzen zu können. 

Statistisch betrachtet sinkt das Risiko der Blaseninkontinenz signifikant nach gründlicher Voruntersuchung, bei Durchführung der OP durch einen versierten Chirurgen sowie durch lebenslanges Gewichtsmanagement und gutes Training der Hündin. 

Übergewicht als Folge der Kastration ist kein unabwendbares Schicksal sondern immer ein hausgemachtes Problem. Auch wenn Hündinnen durch den Wegfall der Hormone ein geringeres Stresslevel und einen veränderten Stoffwechsel aufweisen, ist die Gewichtszunahme leicht durch einen umsichtigen Besitzer unter Kontrolle zu halten. 

Operation

Bei uns werden ausnahmslos alle Operationen der Bauchhöhle unter Inhalationsnarkose durchgeführt. Die Hündin erhält unter Ihrem Beisein eine Sedativum verabreicht, welches die Narkose einleitet. Sie können bei ihr bleiben bis sie eingeschlafen ist. Anschließend wird die Narkose mittels einer individuell steuerbaren Narkosegasmischung fortgeführt.

Ein versierter Anästhesist/in überwacht unter Zuhilfenahme verschiedener Überwachungsgeräte (CO2 Monitoring, EKG, Pulsoxymeter, Ösophagusstehoskop) während der gesamten Narkose Ihre Hündin verabreicht die individuell nötige Infusionsmenge und ist in der Aufwachphase bei ihr. 

Kastrationen können entweder per Laparotomie (Eröffnung der Bauchhöhle mittels eines kleinen Schnitts) oder minimal-invasiv per Laparoskopie durchgeführt werden. 

Gerne erklären wir Ihnen im persönlichen Gespräch Vor- und Nachteile der beiden OP-Methoden.